Kurzbericht über den Projektfortschritt

Im Forschungsprojekt waren seit Juli bzw. September 2010 drei Mitarbeiterinnen beschäftigt: Tanja Kraler zu 75 %, Christof Aichner zu 100 % und Christian Eugster als gerinfügig Beschäftigter, wobei Letzterer für die Realisierung der digitalen Edition verantwortlich zeichnet. Gemeinsam mit Christian Eugster wurden im Laufe des Herbstes grundlegende für die erfolgreiche Umsetzung der digitalen Edition aussschlaggebende technische Fragen geklärt: Diese umfassten die Wahl einer geeigneten Software (oXygen), die Erstellung der erforderlichen Datenbank sowie die Festlegung von Standards (XML). Die Auszeichnung der Briefe mit XML gewährleistet eine medienneutrale Formatierung der Quellen und eignet sich für eine effiziente Verarbeitung und Publikation der Quellen (single source publishing). Zentral war die Erstellung eines XML-Schemas als Grundlage für die zukünftige strukturierte und einheitliche Erfassung der Briefe sowie die Einigung auf ein Set von ‘Tags’ zur Auszeichnung der Briefe mit XML. Die Diskussion hierüber war essentiell dafür, was die digitale und gedruckte Edition am Ende jeweils leisten soll. Zudem nahm Tanja Kraler Kraler an Workshops zu digitalen Editionen (mit Kurzvorstellung des Projekts) in Berlin und Innsbruck teil, um die nötigen Fertigkeiten in diesem Bereich zu verbessern bzw. die Erkenntnisse aus diesen Workshops in das eigene Forschungsvorhaben einfließen zu lassen und in Austausch mit anderen Digitalisierungsprojekten zu treten. Herr Eugster programmierte außerdem eine Website zur Außendarstellung des Projektes. (http://thun-korrespondenz.uibk.ac.at).
Tanja Kraler ist unter anderem für die Transkription der Briefe aus dem Nachlass Thun in Déčin (insgesamt 657) verantwortlich. Die Zahl der transkribierten Briefe beläuft sich bis Ende 2010, inkl. der bereits im Vorfeld des Projektantrags transkribierten, auf 270. Parallel dazu werden die Briefe mit Regesten und einem Personenregister mit biografischen Daten und kurzem Lebensabriss der erwähnten Personen versehen. Das Register umfasst inzwischen 715 Personen. Gleichzeitig wurden die Briefe inhaltlich beschlagwortet und kategorisiert, um sie für die weitere Verwendung nutzbar zu machen. Dabei kristallierten sich erste Themenbereiche heraus, die für die Verarbeitung in der geplanten Monografie zum Wirken von Thun eine wesentliche Rolle spielen werden und die Erkenntnisse zu den bildungspolitische Zielsetzungen Thuns ermöglichen. Als besonders fruchtbar erscheinen bisher die Personalpolitik (Berufungsnetzwerke), die Sprachen- und Nationalitätenfrage, Thuns kirchenpolitisches Wirken sowie das Themenfeld der Gymnasialreform.
Christof Aichner hat insbesondere nach Nachlässen von Thuns Briefpartnern gesucht. Von 60 der 199 Briefpartner konnten bisher Nachlässe in Archiven in Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei, Frankreich, Italien, Kroatien gefunden werden. Von diesen hat er bisher die Nachlässe von Julius Ficker, Joseph Feßler, Joseph Feil, Johann Friedrich von Schulte und Franz Exner aufgearbeitet. Die dort gefundenen Thun-Autografen (Stand Ende 2010: 40 Briefe) wurden ebenfalls transkribiert, beschlagwortet und wie oben erwähnt inhaltlich kategorisiert. Im Monat Oktober war Christof Aichner vom Projekt für eine Archivreise nach Rom freigestellt (Rom-Stipendium der Akademie der Wissenschaften). Dort hat er im Vatikanischen Geheimarchiv die Rezeption der Reformen und der Person Thun auf Seiten der Kirche untersucht. Im Archiv von Santa Maria dell’Anima hat er Materialien zu Thuns Beitrag an der Neuordnung dieses Priesterkollegs gesammelt.