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Projektpräsentation in Bozen

Am 11. Dezember 2012 fand in der Südtiroler Landesbibliothek Dr. Friedrich Tessmann eine kleine Tagung mit dem Titel “Thun-Hohenstein. Streiflichter auf ein altösterreichisches Adelsgeschlecht” statt. Das Programm umfasste verschiedene Vorträge zur Geschichte der Familie Thun-Hohenstein. Ausserdem wurden zwei Projekte vorgestellt. Das Projekt Thun Web gibt Aussenstehenden einen Überblick über verschiedene Aspekte (Genealogie, Literatur, etc) und ermöglicht vor allem Familienmitgliedern die Website mit ihren eigenen Daten zu aktualisieren. Wir berichteten über den aktuellen Stand (siehe) unseres Transkriptionsprojekts.

externer Link Website des Veranstalters

Download Programm zur Tagung

externer Link http://www.thunweb.com/

Projektpräsentation in Mailand

Am 28. Oktober 2011 präsentierten Brigitte Mazohl und Christof Aichner das Forschungsprojekt in Mailand. Die Präsentation fand im Rahmen eines Doktorandenseminars des Instituts für Pädagogik an der Università cattolica del Sacro Cuore statt. Die Leiterin des Instituts Prof. Simonetta Polenghi hat selbst zahlreiche Forschungen zur Geschichte der Pädagogik in der Lombardei veröffentlicht. Die Präsentation des Projekts diente daher auch einem direkten Gedankenaustausch und einer stärkeren Vernetzung mit Prof. Polenghi und anderen italienischen Forscherinnen.

Die Thun’schen Reformen sollte auch im Königreich Lombardo-Venetien an den beiden dortigen Universitäten von Padua und Pavia eingeführt werden, eine systematische Untersuchung der Reformen dort steht allerdings bisher aus. Erste Schritte in diese Richtung sind zwar in einigen kleineren Arbeiten sowohl von italienischer (Polenghi) als auch von österreichischer Seite ( Mazohl, Egglmaier) bereits geleistet worden, wobei allerdings die wechselseitige Rezeption angesichts der Sprachbarrieren noch zu wünschen übrig lässt. Daher haben wir uns über die Initiative von Prof. Polenghi sehr gefreut und die Einladung nach Mailand gern angekommen, auch um die gegenseitige Rezeption zu fördern und vielleicht eine transnationale vergleichende Fragestellung anstoßen zu können.

externer Link Univ. Prof. Simonetta Polenghi, Università Cattolica del Sacro Cuore

externer Link Seminar Univ. Prof. Brigitte Mazohl und Mag. Christof Aichner

externer Link Handout zum Seminar

Erster Zwischenbericht zum Projekt

Nachdem nun beinahe ein Jahr verstrichen ist, seit wir das Projekt begonnen haben, ist es Zeit für einen kurzen Zwischenbericht.
Tanja Kraler, die bereits im Sommer 2009, damals noch als Mitarbeiterin der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs, mit der Transkription der Briefe aus dem Nachlass von Leo Thun begonnen hat, ist ein gutes Stück vorangekommen. Von den 657 Briefen, die im Nachlass enthalten sind, hat sie bereits 370 transkribiert. Der Nachlass von Leo Thun kam übrigens in der Zwischenkriegszeit in das Österreichische Staatsarchiv und verblieb dort bis in die 1950er Jahre. Aus der Zwischenkriegszeit stammen auch die ersten Transkriptionen der Briefe, die allerdings ziemlich fehlerhaft sind. Vor der Rückgabe des Nachlasses an das Staatsarchiv von Tetschen, wo das Familienarchiv der Böhmischen Linie der Thun-Hohenstein liegt, wurden die Briefe mikroverfilmt. Mit den Kopien dieser Mikrofilme arbeiten wir. Allerdings sind nicht alle der 657 Briefe auf den Filmen vorhanden. Deshalb wird es in einer zweiten Phase des Projekts noch notwendig sein, die nicht kopierten Briefe im Staatsarchiv von Tetschen persönlich einzusehen – das sind etwa 200 Briefe. Tanja rechnet damit, die Erfassung dieser Briefe im Herbst 2011 in Angriff nehmen zu können. Ungefähr 20 Briefe sind in Französisch, Tschechisch, Italienisch oder Englisch abgefasst und warten ebenfalls noch darauf, transkribiert zu werden. Parallel zur Transkription erstellt sie sowohl ein Personenregister der erwähnten Personen, das mittlerweile mehr als 1000 Personen umfasst, als auch Regesten zu jedem einzelnen Brief.

Christof Aichner hat seit September 2010 nach Autographen von Thun aus seiner Ministerzeit gesucht. Ausgehend vom Nachlass Thuns hat er dabei ein Register der Korrespondenzpartner Thuns eerstellt und daran anschließend systematisch nach den Nachlässen dieser Personen gesucht. In manchen Fällen war dies ziemlich einfach, in den meisten Fällen gestaltete sich die Suche jedoch als recht schwierig. Vor allem bei Schreibern aus dem Osten des Reiches und bei Schreibern von niederem sozialen Stand fehlen oft die Nachlässe. Einfacher war es hingegen bei vielen Professoren oder Politikern, die an Thun geschrieben haben. Von einigen ‚wichtigen’ Briefpartnern Thuns fehlen jedoch weiterhin Hinweise auf deren Nachlässe. An erster Stelle zu nennen sind hier wohl der Jurist Karl Ernst Jarcke und der Kirchenrechtler George Phillips. Von den ca. 200 Personen, von denen Privatbriefe im Nachlass von Thun vorhanden sind, konnten derzeit ca. 60 Nachlässe bzw. Hinweise auf Nachlässe ausfindig gemacht werden. Allerdings haben sich nicht in allen auch Briefe von Thun erhalten. Darüber hinaus konnten über Portale wie den ÖVK-NAH oder Kalliope auch Autographen von Thun gefunden werden, deren entsprechende Antworten wiederum im Nachlass von Thun fehlen. Zudem stellt sich bei einigen Briefen auch die Frage, ob sie als Privatbriefe anzusehen sind oder doch als Briefe von ‚Amtswegen’. Alles in allem hat Christof bis heute 81 Autographen von Thun bearbeitet und transkribiert, darunter Briefe an den Historiker Julius Ficker, die Kardinäle Joseph Rauscher und Antonio de Luca, den Ministerialbeamten Franz Exner oder den Philologen Franz Miklosich. In der Karte unten sind die Orte/Archive verzeichnet, an denen bisher Briefe von Thun ausfindig gemacht werden konnten (die orange markierten haben wir bereits bearbeitet). Die Verteilung der Briefe verdeutlicht auch die europaweite Vernetzung Thuns. Als ein interessanter Fundus hat sich zudem der Nachlass des Ministerialbeamten Joseph Feil herausgestellt, der in zahlreichen Fällen im Auftrag von Thun an ihm bekannte Personen geschrieben hat.
Als Stipendiat des Österreichischen Historischen Instituts in Rom hat Christof zudem die Wahrnehmung der Reformen und der Person Thuns von Seiten der Kirche untersucht. Dazu hat er insbesondere die Akten der Wiener Nuntiatur im Vatikanischen Archiv eingesehen.Besuchte Archive

Eine weitere wichtige Aufgabe im ersten Jahr des Projekts waren die grundlegenden Entscheidungen für die Bearbeitung der Briefe für die spätere Edition. Da wir zwei unterschiedliche Versionen der Edition planen – eine gedruckte Auswahledition und eine digitale Volledition im Internet – ist eine medienneutrale Bearbeitung und Speicherung der Texte notwendig. Daher haben wir uns für eine Bearbeitung der Briefe nach den Vorgaben des TEI-Konsortiums entschieden. Da TEI mittlerweile zu einem Standard zur digitalen Erfassung von Texten aus dem Bereich der Geisteswissenschaften geworden ist, kann mit dieser Entscheidung auch eine gewisse Langzeitsicherung der Daten sichergestellt werden. Zur Erfassung und Auszeichnung der Briefe verwenden wir den XML-Editor oXygen. Die transkribierten Dokumente werden im XML-Format in einem Versionierungssystem auf einem Server abgelegt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Alle Beteiligten können gleichzeitig auf die Dokumente zugreifen und wir verfügen über alle gesicherten Versionen der Dokumente. Mittlerweile haben wir bereits auch erste Erfahrungen mit der Arbeit in XML gesammelt.

Im folgenden Jahr soll vor allem die Transkription der Briefe abgeschlossen und parallel dazu die Bearbeitung der Briefe mit XML weitergeführt werden.
Ende September wird Tanja unser Projekt, bzw. einige Aspekte desselben bei einer internationalen Tagung an der Karls-Universität in Prag vorstellen. Zumal Leo Thun stark durch diese Stadt geprägt worden ist und viele Prager Gelehrte an den Reformen beteiligt waren, ist dies eine schöne Gelegenheit (nicht nur) tschechischen KollegInnen unser Projekt vorstellen zu können.

Kurzbericht über den Projektfortschritt

Im Forschungsprojekt waren seit Juli bzw. September 2010 drei Mitarbeiterinnen beschäftigt: Tanja Kraler zu 75 %, Christof Aichner zu 100 % und Christian Eugster als gerinfügig Beschäftigter, wobei Letzterer für die Realisierung der digitalen Edition verantwortlich zeichnet. Gemeinsam mit Christian Eugster wurden im Laufe des Herbstes grundlegende für die erfolgreiche Umsetzung der digitalen Edition aussschlaggebende technische Fragen geklärt: Diese umfassten die Wahl einer geeigneten Software (oXygen), die Erstellung der erforderlichen Datenbank sowie die Festlegung von Standards (XML). Die Auszeichnung der Briefe mit XML gewährleistet eine medienneutrale Formatierung der Quellen und eignet sich für eine effiziente Verarbeitung und Publikation der Quellen (single source publishing). Zentral war die Erstellung eines XML-Schemas als Grundlage für die zukünftige strukturierte und einheitliche Erfassung der Briefe sowie die Einigung auf ein Set von ‘Tags’ zur Auszeichnung der Briefe mit XML. Die Diskussion hierüber war essentiell dafür, was die digitale und gedruckte Edition am Ende jeweils leisten soll. Zudem nahm Tanja Kraler Kraler an Workshops zu digitalen Editionen (mit Kurzvorstellung des Projekts) in Berlin und Innsbruck teil, um die nötigen Fertigkeiten in diesem Bereich zu verbessern bzw. die Erkenntnisse aus diesen Workshops in das eigene Forschungsvorhaben einfließen zu lassen und in Austausch mit anderen Digitalisierungsprojekten zu treten. Herr Eugster programmierte außerdem eine Website zur Außendarstellung des Projektes. (http://thun-korrespondenz.uibk.ac.at).
Tanja Kraler ist unter anderem für die Transkription der Briefe aus dem Nachlass Thun in Déčin (insgesamt 657) verantwortlich. Die Zahl der transkribierten Briefe beläuft sich bis Ende 2010, inkl. der bereits im Vorfeld des Projektantrags transkribierten, auf 270. Parallel dazu werden die Briefe mit Regesten und einem Personenregister mit biografischen Daten und kurzem Lebensabriss der erwähnten Personen versehen. Das Register umfasst inzwischen 715 Personen. Gleichzeitig wurden die Briefe inhaltlich beschlagwortet und kategorisiert, um sie für die weitere Verwendung nutzbar zu machen. Dabei kristallierten sich erste Themenbereiche heraus, die für die Verarbeitung in der geplanten Monografie zum Wirken von Thun eine wesentliche Rolle spielen werden und die Erkenntnisse zu den bildungspolitische Zielsetzungen Thuns ermöglichen. Als besonders fruchtbar erscheinen bisher die Personalpolitik (Berufungsnetzwerke), die Sprachen- und Nationalitätenfrage, Thuns kirchenpolitisches Wirken sowie das Themenfeld der Gymnasialreform.
Christof Aichner hat insbesondere nach Nachlässen von Thuns Briefpartnern gesucht. Von 60 der 199 Briefpartner konnten bisher Nachlässe in Archiven in Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei, Frankreich, Italien, Kroatien gefunden werden. Von diesen hat er bisher die Nachlässe von Julius Ficker, Joseph Feßler, Joseph Feil, Johann Friedrich von Schulte und Franz Exner aufgearbeitet. Die dort gefundenen Thun-Autografen (Stand Ende 2010: 40 Briefe) wurden ebenfalls transkribiert, beschlagwortet und wie oben erwähnt inhaltlich kategorisiert. Im Monat Oktober war Christof Aichner vom Projekt für eine Archivreise nach Rom freigestellt (Rom-Stipendium der Akademie der Wissenschaften). Dort hat er im Vatikanischen Geheimarchiv die Rezeption der Reformen und der Person Thun auf Seiten der Kirche untersucht. Im Archiv von Santa Maria dell’Anima hat er Materialien zu Thuns Beitrag an der Neuordnung dieses Priesterkollegs gesammelt.

Offizieller Start des Projekts

Am 1. September 2010 wurde das Projekt offiziell gestartet.

Willkommen

Willkommen auf der Webseite des Forschungsprojektes zur Korrespondenz von Graf Leo von Thun-Hohenstein.

Das Ziel des Projekts ist die systematische Erfassung des Nachlasses des österreichischen Ministers für Kultus und Unterricht Thun-Hohenstein und der zu erschließenden Gegenkorrespondenz. Aus diesem Material soll eine kommentierte Teiledition publiziert werden. Parallel dazu wird eine quellengestützte Monographie zur  Person und Tätigkeit Thun-Hohensteins erstellt. Das Projekt versteht sich als Teil der nationalen und internationalen Forschung zur Bildungs- und Universitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts. Im Laufe des Projekts werden die gesamten erschlossenen Dokumente der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. In der gedruckten Auswahledition werden besonders signifikante Teilbereiche behandelt. Im Rahmen des Projekts wird eine intensive Kooperation mit in- und ausländischen Forschungsprojekten angestrebt.

Durch die Genehmigung eines Forschungsprojekts durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung ist die Weiterführung und Finanzierung des Projekts bis 2013 gesichert.